
Die Zuchtstation besteht seit mehr als einem halben Jahrhundert. Im Laufe dieser vielen Jahre wurden über zwei Millionen Taubeneier gelegt. Die Größe der Eier kann in Ausnahmefällen von der Norm abweichen, aber Anfang August 2010 ist ein kleines Wunder geschehen oder nennen wir es einen Extremfall.
Eine Täubin, die getrennt war und zusammen mit anderen Täubinnen auf einem Schlag saß, legte ein Ei, das so große wie ein Hühnerei war. Sehr vorsichtig wurde in die Eierschale eine kleine Öffnung gemacht, um zu sehen, was darin steckte. Und was stellte man fest? In dem großen Ei steckte ein vollständiges und normal geformtes Taubenei, und dieses Ei badete sozusagen in
dem Eiweiß und Eigelb des großen Eies.
Die beiden Eier bekamen ein Platz im Museum auf der Zuchtstation.
Wir fragten Dr. Stosskopf einige Monate vor seinem Tod im November nach einer wissenschaftlichen Erklärung für dieses Phänomen, und das war seine Antwort:
"Das ist selbstverständlich - und auch glücklicherweise - eine seltene Anomalie bei Täubinnen. Bei Legehennen kommt das jedoch häufiger vor. Diese Ausnahmefälle werden von vielen Spezialisten beschrieben. Solch ein Ei kann in verschiedenen Variationen vorkommen. Das kleine eingeschlossene Ei kann vollständig normal sein (Eiweiß und Eigelb) oder nur Eiweiß enthalten. Das umgebende Ei, das also viel größer ist, kann ebenfalls vollständig sein (Eiweiß und Eigelb) oder nur Eiweiß enthalten.
Wenn beide Eier vollständig sind, ist das damit zu erklären, dass das erste bereits gebildete Ei zurück in den mittleren Teil des Eileiters wanderte und dort mit dem zweiten Ei, das in der Entwicklung war, zusammentraf. Beide Eier wurden danach von Eiweiß und einer gemeinschaftlichen Schale umgeben.
Wenn das umgebende Ei unvollständig ist, ist der Mechanismus, wie das "normale" Ei eingeschlossen wird, anders. In diesem Fall wandert das bereits gebildete vollständige Ei, anstatt den Körper durch die Kloake zu verlassen, zu dem Teil des Eileiters zurück, in dem das Eiweiß gebildet wird. Dort wird es von Eiweiß umgeben und wandert dann weiter zu dem Teil, in dem die Schale gebildet wird."